Fatima-Zahra´s Kindheit

Fatimah-Zahra (a.s.) wuchs in einer gefahren- und krisenreichen Zeit auf. Gewiss blieb diese kulturelle Umwalzung nicht ohne Einfluss auf das kindliche Gemüt des kleinen Mädchens und ganz sicher haben die geistige Haltung wie auch Gesinnung ihrer Eltern dazu beigetragen, dass Fatimah (a.s.) das wurde, was sie ist bzw. war. Die Muslime waren in so großer Not und Bedrängnis, dass der Prophet einige von ihnen anwies, nach Abessinien, dem damaligen Habascheh, auszuwandern. Als die Götzenanbeter sahen, dass sie die Muslime trotz Folter und Verfolgung nicht von ihrem Glauben an den Einzigen Gott abzubringen vermochten, beschlossen sie, vereint und verbündet, Muhammad (s.a.s.)zu töten. Der Onkel Hadrat-e Muhammads, Abu Talib, erfuhr von ihrem finsteren Vorhaben und evakuierte den Propheten und viele der Bani Haschim in das Tal "Schiyb Abu Talib". Abu Talib wie auch die Bani Haschim unterstützten und schützten den Propheten. Sie bewachten das Tal und bezogen des Nachts in den umliegenden Bergen Posten, um eventuellen nächtlichen Überfallen der feindlichen Verbündeten vorzubeugen. Unter anderem bewachte Hamzah, ein Onkel des Gesandten Gottes, diesen zu nächtlicher Stunde mit gezogenem Schwert. Die Mekkanischen Götzenanbeter, die begriffen, dass sie des Propheten nicht habhaft werden konnten, begannen, ihn und alle Evakuierten im "Schiyb Abu Talib" wirtschaftlich unter Druck zu setzen. Handel mit ihnen zu treiben, ihnen etwas zu verkaufen - beispielsweise Wasser oder Nahrungsmittel - war streng untersagt. Wer dem zuwiderhandeln wollte, hatte harte Strafe zu erwarten. Drei Jahre lang verbrachten die Muslime unter großen Entbehrungen in dem dürren, trockenen Schiyb. Sie konnten sich nur schwerlich mit dem Wenigen, das ihnen der eine oder andere aus der Stadt auf "Schleichwegen" und in aller Verschwiegenheit in das Lager hineinschmuggelte, vor dem Hungertod bewahren. Es war eine schwere Zeit, in die Fatimah-Zahra (a.s.) hineingeboren worden war. Als kleines Mädchen lebte sie mit ihren Eltern - wie die anderen Muslime - im" Schiyb Abu Talib. Hier war es, wo sie der Muttermilch entwöhnt wurde, wo sie wie die anderen Kinder Hunger und Not kennen lernte und wo sie, im heißen Sand der Steppe, laufen lernte. Sie hörte das Klagen und Weinen der hungrigen und durstigen Kinder und sah, wie zu nächtlicher Stunde Onkel und Vettern mit blanken Waffen Wache hielten, um ihren Vater gegen den Feind abzuschirmen. Nach drei Jahren, sie war ungefähr fünf Jahre alt, kehrte sie mit den Eltern und den anderen Muslimen in die Stadt zurück. Nun lernte sie nach soviel Entbehrung und Verzicht endlich etwas anderes kennen als brennende Sonnenglut, Trockenheit, Sand und Steine. Die Not war vorbei, wenigstens vorübergehend. Sie atmete die Freiheit, die sie nun umgab, brauchte nicht mehr zu darben und war ein frohes, glückliches Kind.

 

Härten und deren Konsequenzen

All das Schwere, das Fatimah-Zahra (a.s) in ihrer Kindheit widerfuhr, ist gewiss nicht ohne Wirkung auf ihre kindliche Psyche geblieben. Es dürfte wohl verständlich sein, dass jemand, der gleich ab seiner frühesten Kinderzeit mit soviel Harten, schweren Erlebnissen und Erfahrungen konfrontiert wird, kein lachender, stets zu Scherzen bereiter Mensch sein wird, und so berichtet man über Fatimah - Zahra (a.s.),dass sie oft bekümmert und traurig war. Dennoch: Der junge Mensch, der unter großen Gefahren aufwachst und schon in seinen ersten Lebensjahren in Getto und Isolation zubringt, der zusehen muss, wie Vater, Mutter, Verwandte und Freunde tapfer und entschlossen Drangsal und Not ertragen und unter großen Mühen und Selbstaufopferung ihr hohes Ziel verteidigen, nicht aufgeben, sondern hoffen und streben,.„wird selbst zu einem Zielbewussten, mutigen widerstandsbereiten Erwachsenen heranreifen. (Wenigstens in den meisten Fallen ist das so!) Er wird ohne Angst vor Repressalien und Gefangenschaft die menschlichgöttlichen Werte schützen und sich nicht so leicht in die Knie zwingen lassen.

 

Die Mutter stirbt

Noch war kein Jahr nach der Befreiung aus Isolation und Wirtschaftsboykott vergangen, als Hadidsche ihre Augen für immer schloß. Der Tod der Mutter traf das Kind schwer. Es litt unendlich darunter. Immer und immer wider liefen Fatimah (a.s.) Tranen übers Gesichtchen, und sie fragte Vater, Freunde und Verwandte nach der Mutter. Als Hadrat Muhammad (s.a.s.) von der Beerdigung heimkam, sagte sie: " Vater, wo ist Mutter?" Er wusste im ersten Moment keine befriedigende Antwort für das Kind. Da erschien Gabriel der Bote Gottes und sprach: "Antworte Fatimah, dass ihre Mutter nun glücklich und erlöst in einem wunderschönen Schloss aus Smaragden wohnt."

 

Nach dem Tode der Mutter

Das Jahr zehn nach der Bi’that war ein schweres Jahr. Zuerst starb Abu Talib und kurz darauf Hadidsche . Diese beiden Ereignisse bekümmerten Hadrat-e Muhammad (s.a.s.) so sehr, dass er jenes Jahr als "Jahr der Trauer" bezeichnete, deshalb, weil seine größte Stütze, Hilfe, seine Beraterin in privaten und persönlichen Angelegenheiten, seine Lebensgefährtin und Mutter seiner Kinder von ihm und aus dieser Welt gegangen war, zudem auch Abu Talib, jener Mann, der ihn tatkräftig und engagiert unterstützt und verteidigt hatte. Das mutterlose Kind musste in jener Zeit oft miterleben, wie hässlich und roh sich die Leute draußen in der Stadt ihrem Vater gegenüber verhielten. Sah, wie sie ihm nachstellten, ihn verlachten, verspotteten, anpöbelten... Ein herzzerreißender Vorfall, der sie bis in ihr tiefstes Inneres aufwühlte, war folgende Begebenheit. Ihr Vater verrichtete in der Heiligen Moschee das Gebet. Einige der Mekkanischen Götzendiener verhöhnten ihn. Einer von ihnen nahm den Blutbesudelten Uterus eines eben geschlachteten Kamels und hing ihn dem zum Sadschdah niedergesunkenen Propheten über die Schultern. Seine kleine Tochter musste mit ansehen, wie rüpelhaft und gefühllos mit ihrem Vater umgegangen wurde. Sie lief zu ihm, nahm den Kamel-Uterus von ihm und warf ihn fort, wahrend ihr die Tranen über die Wangen rollten. Nachdem Hadrat-e Muhammad (s.a.s.) das Gebet beendet hatte, erhob er sich und sprach über die Beteiligten seinen Fluch aus. Mit solchen und ähnlichen Situationen war Hadrat-e- Fatimah (a.s.) schon in früher Kindheit konfrontiert. Sie lernte die Rohheit der Götzenanbetenden Gesellschaft, in der sie lebte, zur Genüge kennen, litt um ihren Vater, stand ihm bei und tröstete ihn. So klein sie war, war sie ihm nicht nur eine liebevolle Tochter, sondern auch fürsorgliche "Mutter". Prophet Muhammad (s.a.s.) bemühte sich, seine mutterlose Tochter soweit es in seinen Kräften stand, zu trösten und zu erfreuen. Er versuchte ihr all das, was sie entbehren musste, zu ersetzen und hüllte sie ein in seine väterliche Liebe und Zärtlichkeit. Er verstand, dass das kleine Mädchen unter dem Verlust der Mutter litt und dass er alles dafür tun musste, seinen Schmerz zu lindern. Umm-e-Salamah berichtete: "Der Prophet vertraute mir Fatimah an, damit ich mich um ihre Erziehung kümmere. Ich tat diesbezüglich alles, was ich vermochte, doch - bei Gott- das Kind war gebildeter und wissender als ich.